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04.01.2022

Raus aus den Städten: Speckgürtel weiten sich aus

Das Stadtumland wird immer beliebter – diese Tatsache allein ist keine wirkliche Neuigkeit mehr. Nun aber werden die sogenannten Speckgürtel immer breiter und die Preise ziehen auch in weiter entfernten Gebieten an. Das Leben im Umland von Großstädten wird damit zu einer sozialen Frage.

Die aktuellsten vorliegenden Zahlen zur Wanderungsbewegung zeigen, dass sich der Trend zur Suburbanisierung im Jahr 2020 fortgesetzt hat: So verbucht die Großstadt Köln einen immer größer werdenden negativen Wanderungssaldo. Das bedeutet, es ziehen mehr Menschen in den Speckgürtel fort als aus dem Speckgürtel zu. Laut einer Studie des ORF für österreichische Städte ist dieser Trend auch in den österreichischen Metropolen Wien, Innsbruck und Linz zu beobachten. In Wien beispielsweise sind im Jahr 2020 mehr Menschen aus der Stadt weggezogen, als neue Einwohner*innen hinzugekommen sind – in Summe ergab sich hieraus ein Wanderungssaldo von -3.431. Auch das Suchverhalten auf Onlineportalen hat sich geändert. Mehr Menschen suchen nach Immobilien im Stadtumland und erweitern dabei den Suchradius, sodass weiter von der Stadtgrenze entfernte Orte in den Fokus rücken.

Städte verzeichnen zwar im Bereich der Binnenwanderung (den Wanderungsbewegungen innerhalb eines Landes) oft einen negativen Saldo, aber allgemein lässt sich kein Bevölkerungsrückgang erkennen. Die Zuwanderung aus dem Ausland ist – das Pandemiejahr 2020 einmal außen vor gelassen – weiter stark und sorgt für einen Ausgleich in der Gesamtbewegung des Wanderungssaldo.

Mit der erhöhten Nachfrage im Umland steigen die Immobilienpreise dort. Hieraus können Hürden für die Finanzierung von Immobilieneigentum entstehen, so die Schlussfolgerung von ORF.at. Die Möglichkeit zum Umzug in den Speckgürtel beliebter Großstädte wird immer mehr eine Frage der Einkommenshöhe und der Berufsgruppen. Nur wer es sich leisten kann und wo es die Arbeit möglich macht, kann ins Umland ziehen. Wer kein Eigentum finanzieren kann oder aus beruflichen Gründen stark an die Großstadt gebunden ist, etwa aufgrund Homeoffice-inkompatibler Arbeit, muss in der Regel zwangsläufig in der Stadt mieten. Dadurch ergeben sich veränderte Sozialstrukturen in den Städten, aber auch im Speckgürtel.

Was bei unseren österreichischen Nachbarn passiert, lässt sich auf Deutschland und das Rheinland übertragen. Auch hier nimmt die Nachfrage nach Immobilien in den Speckgürteln von Köln und Bonn zu. Dabei werden weiter entfernte Gemeinden immer attraktiver, denn hier sind die Preise noch erschwinglich und durch neue Arbeitsmodelle (Stichwort: Homeoffice) stellen größere Entfernungen zur Arbeitsstelle für viele Menschen kaum ein Hindernis mehr dar. Davon profitieren aktuell besonders der Oberbergische Kreis, sowie der Rhein-Sieg-Kreis mit seinen weniger gut angebundenen Gemeinden im Osten.

Obwohl die Speckgürtel stark wachsen, sind die rheinischen Großstädte weiter extrem beliebt. Zwar blieb der übliche Zuzug junger Erwachsener, die es für Ausbildung und Studium in die Stadt zieht, im Corona-Jahr 2020 größtenteils aus, das wird sich aber mit sinkenden Fallzahlen und Lockerung der Beschränkungen wieder ändern.

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