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14.01.2022

Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe im Rheinland:

die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt

Am 14. Juli 2021 hat ein Starkregenereignis mit lokalen Überflutungen und Sturzfluten immense Schäden in weiten Teilen des Rhein-Erft-Kreises und des Rheinisch-Bergischen Kreises verursacht. Von der Flutkatastrophe im Rheinland waren vor allem Erftstadt, Swisttal und Rheinbach, sowie Leichlingen und Rösrath betroffen. Auch die Städte Weilerswist und Euskirchen wurden stark getroffen. Wir haben den Leiter der KSK-Immobilien Research-Abteilung Matthias Wirtz in einem Interview zu der aktuellen Lage am Immobilienmarkt in den Hochwassergebieten in NRW befragt.

Herr Wirtz, wie ordnen Sie die Lage nach der Hochwasser-Katastrophe vom Sommer 2021 ein?

Das Schadensbild stellt sich kleinräumig sehr unterschiedlich dar. In einigen Straßenzügen sind lediglich Keller mit Wasser vollgelaufen und die Infrastruktur ist nur vergleichsweise geringfügig in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier erinnert sechs Monate nach dem Hochwasser kaum mehr etwas im Straßenbild an die Ereignisse. In anderen Bereichen wurden entlang von Bächen und Flüssen hingegen Häuser so stark beschädigt, dass sie vorerst unbewohnbar sind oder gar abgerissen werden müssen.

Welche Auswirkungen hatte die Flutkatastrophe im Rheinland auf den lokalen Immobilienmarkt?

Noch heute sind in den stark beschädigten Ortsteilen die massiven Schäden unübersehbar und viele Geschäfte geschlossen. In diesen besonders stark betroffenen Gebieten wurden zudem Straßen und Brücken sowie weitere wichtige Infrastrukturen zerstört. Dazu gehören beispielsweise Schulen, Kitas, Einkaufsmöglichkeiten, Spielplätze, Sportstätten und Naherholungsräume. Die Attraktivität dieser Orte als Wohnlage ist kurz- bis mittelfristig erheblich verringert. Dennoch nehmen wir wahr, dass es nicht zu einer Flucht aus diesen betroffenen Orten gekommen ist, was den Markt stabilisiert. Belastbaren Daten zur Auswirkung der Jahrhundertflut auf die Immobilienwerte liegen uns jedoch noch keine vor, da der Zeitabstand zum Ereignis noch zu kurz ist. Im Frühjahr wissen wir da sicherlich mehr.

Gibt es Erkenntnisse aus anderen Katastrophengebieten der Vergangenheit, die eine Einordnung der Ereignisse im Geschäftsgebiet der KSK-Immobilien ermöglichen?

Studien aus anderen Katastrophenregionen, wie Rottal-Inn, sowie zu Starkregenereignissen in Dortmund und Berlin sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es etwa sechs Monate nach prägenden Unwetterereignissen zu Preisabschlägen von ca. 10 bis 15 Prozent gekommen ist und die Angebotsdauer zugenommen hat. Allerdings haben sich die Preisabschläge mit zunehmendem Abstand zum Überschwemmungsereignis wieder abgeschwächt. Eine Art „Flutdemenz“ sorgte überall dafür, dass die Bevölkerung das Überschwemmungsrisiko relativ schnell wieder vergessen hat.

Wie sieht die Angebotslage in den betroffenen Städten und Gemeinden im Geschäftsgebiet der KSK-Immobilien derzeit aus?

In den betroffenen Bereichen ist es noch nicht zu einem starken Anstieg der Kaufangebote gekommen . Eher das Gegenteil ist der Fall. In Rösrath, Swisttal oder Rheinbach beispielsweise kommen kaum neue Immobilien, ob beschädigt oder unbeschädigt, auf den Markt. Notare berichten, dass aktuell nahezu keine Transaktionen stattfinden.

Woran könnte das liegen?

Wir vermuten, dass dies dem geschuldet ist, dass die Betroffenen bisher primär mit der Verarbeitung der Ereignisse, Aufräumarbeiten, der Suche nach Notunterkünften oder der Auseinandersetzung mit Behörden und Versicherungen beschäftigt waren. Es dürfte auch eine große Unsicherheit herrschen, inwiefern stark betroffene Häuser veräußerbar sind. Wir wissen jedoch, dass einzelne Hausbesitzer in absehbarer Zeit verkaufen möchten. Zudem werden Bauträgern bereits Grundstücke mit abrissreifen Häusern angeboten. Wir erwarten daher, dass sich der Markt in einigen Monaten angebotsseitig beleben wird.

Bedeutet das, es ist mit deutlich mehr Angeboten am Markt zu rechnen?

Zu einer Angebotsschwemme wird es mit hoher Wahrscheinlich nicht kommen. Die meisten Betroffenen wollen trotz allem in ihrer Heimat wohnen bleiben. Außerdem haben die geschädigten, verkaufswilligen Haushalte in dem sehr angespannten Markt große Probleme eine bedarfsgerechte, alternative Unterkunft zu finden und sind somit mehr oder weniger zum Sanieren ihrer betroffenen Immobilien gezwungen. Dank staatlicher Hilfen und der hohen Spendenbereitschaft dürften zudem wenige Haushalte ernsthaft in eine finanzielle Notlage geraten, die sie zwingen wird ihre Immobilie zu verkaufen. Der Markt bleibt also weiterhin angespannt.

Wie sieht es mit der Nachfrage nach Kaufimmobilien in den betroffenen Gebieten aus?

Auf der Nachfrageseite zeigt sich, dass weder bestimmte Lagen komplett gemieden werden noch hochwassergeschädigte Immobilien unverkäuflich sind. Es gibt weiter eine Nachfrage nach Immobilien in den vom Unwetter betroffenen Gebieten. Fundierte Daten dazu liegen uns jedoch noch nicht vor, so dass wir aktuell noch nicht bewerten können ob und wie stark die Nachfrage zurückgegangen ist. Das Problem der Datenverfügbarkeit ist eng an dem Angebotsmangel in den betroffenen Gebieten gekoppelt.

 

Detaillierte Informationen, Zahlen und Fakten zum Immobilienmarkt im Geschäftsgebiet der KSK-Immobilien finden Sie in unseren Preisreports und im Marktbericht.

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